MATERIAL IN DER KUNST

Entdecken, Recyclen, Bewahren. Material in der Kunst

19. Mai bis 27. August 2017,
Schwäbische Galerie

Nachdem vor einem Jahrhundert die Dadaisten alltäglichen Gegenständen mehr Aussagekraft zusprachen als den Farben, war der Weg für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Materialien aller Art geebnet. Seitdem arbeiten Künstlerinnen und Künstler weltweit mit verschiedensten Materialien und legen damit ständig neue Aussagemöglichkeiten frei.

Die Ausstellung „Entdecken, Recyclen, Bewahren – Material in der Kunst“ zeigt Arbeiten von sieben Kunstschaffenden aus Schwaben. Manche bevorzugen dabei bestimmte Materialien, während für andere die kontinuierliche Neuentdeckung von Gegenständen mit haptischer Qualität im Vordergrund steht. Fundstücke aus der Natur treten artifiziell oder maschinell hergestellten Dingen gegenüber.

Marianne Ranftl aus Nördlingen, 1955 in Höchstädt geboren, greift auf eine umfangreiche Sammlung von Gebrauchstextilien zurück. Diese werden von ihr in textile Werke verschiedener Themen umgesetzt. Neben ornamentalen Gestaltungen gibt sie auch gegenständliche Motive wieder und stellt sie damit auf eine andere Ebene. Ihre Gemeinschaftsarbeiten mit Helmut Ranftl zeigen Berührungspunkte, die insbesondere in der Wertschätzung historischer Materialien und Formen liegen.

Helmut Ranftl aus Nördlingen, 1953 in München geboren, erinnert mit seinen Material-Collagen aus Fotografien, die oftmals Muster oder Maserierungen zeigen, an Architektur und Design. Es entstehen gebaute Bilder, die in ihrer fragmentarischen Wiedergabe und ihrer Beschaffenheit der Oberfläche Vergänglichkeit widerspiegeln. Mit malerischen Mitteln werden Einzelmotive sensibel in einen neuen Kontext eingebunden, der in seiner konstruktiven Art dem Zerfall entgegenwirkt.

Wolfgang Mennel aus Ziemetshausen, 1955 in Quedlinburg geboren, verwendet Materialien aus seinem unmittelbaren Lebensbereich: Er bedient sich Fotografien aus den Familienalben, die er mit Transfertechnik auf Gipsformen überträgt. Diese Gefäße der Erinnerung, denen Alltagsgegenstände zugrunde liegen, fügen sich zu einer stets im Wandel begriffenen „Familienlandschaft“ zusammen. Bei seinen neu entstandenen Künstlerporträts wird das zerknitterte Papier zum Symbol der Veränderung und Aktualisierung.

Wolfgang Schenk aus Welden, 1961 in Augsburg geboren, verleiht zufällig vorgefundenen Dingen neue Bedeutungen. Seine Installation mit Nahrungskonserven in Weckgläsern aus einem Bauernhaus lässt an enzyklopädische Sammlungen denken, doch ihre Anordnung ist eine spielerische. Auch das Konservieren von Gerüchen interessiert ihn: Sie erinnern an Geruchskonserven für Fahndungsarbeiten der Stasi. Gleichzeitig verweisen sie auf die Einzigartigkeit des Individuums.

Matthias Wohlgenannt aus Wolfratshausen, 1975 in Heimenkirch/Westallgäu geboren, befasst sich seit vielen Jahren mit Materialien verschiedenster Art. Dabei entstanden immer wieder kleine, kostbar erscheinende Objekte, bei denen er Abfallprodukte unserer Konsumgesellschaft im wörtlichen Sinne entdeckt und in einen anderen Zusammenhang einbindet. Auch bei seinen neuesten Arbeiten aus zerschnittenen Wattestäbchen in den Farben eines bekannten Discounters führt das Up-Cycling zu einer Wertsteigerung des Materials.

Hama Lohrmann aus Fischach, 1965 in Augsburg geboren, bedient sich ausschließlich Fundstücken aus der Natur und arbeitet damit vor Ort, für ihn eine Art Lebensform. Bewahrt, dokumentiert und auf eine weitere künstlerische Ebene transferiert, werden diese vergänglichen Landart-Werke durch Fotografien. Für die Ausstellung entsteht eine Arbeit im Raum mit Materialien aus der Umgebung von Oberschönenfeld.

Helen Pavel aus Irsee, 1964 in Prag geboren, arbeitet seit Jahrzehnten insbesondere mit Papier und Kunststoffen. Es reizt sie, mit neuen Materialien zu arbeiten und deren spezifische Eigenschaften ins Licht zu rücken. Indem sie unspektakuläre Motive aus der Natur aufgreift und stark vergrößert in ein „künstliches“ Material überträgt, hebt sie deren Besonderheiten in Bezug auf Struktur und haptische Qualität hervor. 

 

Begleitprogramm

• Führungen mit Bärbel Steinfeld M.A.:
11. Juni, 6. August, jeweils 15 Uhr
25. Juni, 9. Juli, 23. Juli, 27. August, jeweils 11 Uhr

• Familienführung mit Oda S. Bauersachs M.A.:
Kunstbegegnung mit kreativem Gestalten
Sonntag, 9. Juli, 15–16.30 Uhr

• Workshop für Erwachsene mit Hama Lohrmann:
Sonntag, 2. Juli, 10–17 Uhr
„LANDART – vergängliche Kunst mit Naturmaterial“;
Das geschaffene Natur-Kunstwerk wird vergänglich sein, das Foto bleibt als Erinnerung!
Kosten: 20,00 EUR (inkl. Museumseintritt), Teilnahme nur mit Anmeldung

 

Ferienkurse für Kinder (nur mit Anmeldung)

Pfingsten:
• Mittwoch, 7. Juni, 10–14 Uhr:
„Mein kunterbuntes Recycling-Kunstwerk“ (6–12 Jahre)

Sommer:
• Freitag, 4. August, 10–15 Uhr:
„Tagetes, Blaukraut & Co.“, Pflanzenfarben herstellen und Farbenbüchlein gestalten, (8–12 Jahre)

• Donnerstag, 10. August, 10–14 Uhr:
„Künstlerisches Gestalten mit Naturmaterialien", (6–11 Jahre)