SCHWÄBISCHES VOLKSKUNDEMUSEUM OBERSCHÖNENFELD

KLEINHANS UND WEHMEIER

Leichtigkeit und Schwere. Basilius Kleinhans und Stefan Wehmeier

SVO/Barbara Magg

19. März bis 7. Mai 2017,
Schwäbische Galerie

Erstmals werden in dieser Ausstellung Werke des Bildhauers Basilius Kleinhans aus Günzburg und des Malers Stefan Wehmeier aus Windach einander gegenüber gestellt. Für beide Künstler stehen gegenständliche Motive mit symbolischer Bedeutung im Mittelpunkt ihres Schaffens. Auch formal betrachtet lassen sich Übereinstimmungen finden: Basilius Kleinhans kombiniert seine kompakten Skulpturen aus Bronze und Stein oftmals mit filigranen Elementen, während Stefan Wehmeier bisweilen dem Monumentalen seiner malerisch frei aufgefassten Berglandschaften etwas spielerisch Leichtes mit zeichnerischen Elementen vorblendet.

Stefan Wehmeier kommt von der ungegenständlichen Malerei. Mit der Zeit hat er immer mehr gegenständliche Motive aufgegriffen. Dennoch geht er an den Malgrund mit einer nur vagen Vorstellung heran. Aus dieser entwickelt sich langsam ein komplexes Bild. Erkennbare Motive wie Berge, Steine, Baumstämme und Wasserfälle kristallisieren sich im Arbeitsprozess heraus und lassen Landschaften entstehen.

Auf die grundierte Leinwand setzt er Zeichen. Diese verteilt er in lockerer Anordnung über den Bildgrund, so dass große Freiräume zum Durchatmen entstehen. Seine parallel zu den Gemälden entstehenden Zeichnungen haben ihm den Weg zu dieser Bildauffassung geebnet. Manche seiner Gemälde überzieht Stefan Wehmeier mit feinen Lasuren, die einzelne Elemente miteinander verbinden.

Schon seit vielen Jahren spielen der Farbverlauf und das Fließen der Farbe auf Stefan Wehmeiers Bildern eine zentrale Rolle. Und so gewann das Thema Wasser für ihn mehr und mehr an großer Anziehungskraft. Darstellungen von Wasserfällen auf alten japanischen Postkarten haben ihn zu seinem Gemälde „Kasumi-Fälle“ inspiriert. Bezeichnend ist auch hier, dass es sich bei dem Bildtitel nicht um die Nennung eines bestimmten Ortes handelt.

Bilder und Reisen erwecken Assoziationen, geben Impulse für bestimmte Arbeiten oder Zyklen, aber nicht mehr. Im Arbeitsprozess entwickelt sich das Werk. Dabei kommt es zu einer Reduktion auf das Wesentliche. Innere Bilder entstehen.

Basilius Kleinhans kommt von der gegenständlichen Darstellung. Als Sohn des Bildhauers Bernhard Kleinhans war er mit Menschen- und Tierdarstellungen vertraut. Nach und nach fand er zu seinem eigenen künstlerischen Schaffen. Vom Gegenständlichen löste er sich nicht vollständig, aber es kam zu einer starken Reduktion. Dies verbindet ihn wiederum mit Stefan Wehmeier.

Neben Booten sind Häuser in den letzten Jahren das große Thema von Basilius Kleinhans. Hier setzt er insbesondere Leichtigkeit und Schwere spannungsreich zueinander in Beziehung. So stehen manche seiner Gebäude auf einem filigranen Gestell, andere haben einen durchlässigen Überbau. Oder es bleiben nur noch die Umrisslinien stehen, wie bei seinem neuesten Werk „Haus mit zwei Leitern“. Arbeitet er vollplastisch, so spielt oftmals die malerische Wirkung der Fläche eine wichtige Rolle, die durch das Patinieren der Bronzeplatten entsteht. Zum Vergolden einzelner Werke oder Elemente wurde er durch die Kirchenkunst inspiriert. So vergoldete er bisweilen Häuser oder kleidete Boote mit Blattgold aus. Dabei schimmert immer wieder der Untergrund der Bronze durch oder wird stellenweise sichtbar, so dass ein Wechselspiel der Farbigkeit entsteht.

Wie Stefan Wehmeier, so hat auch Basilius Kleinhans ganz verschiedene gestalterische Auffassungen: Zu nennen sind einmal die Motive mit einer Schauseite, die vor einer Wand aufgebaut werden. Ihnen stehen Skulpturen mit Allansicht und Aufsicht gegenüber, die immer wieder neue Perspektiven eröffnen.

Stefan Wehmeier wurde 1955 in Köln geboren und studierte nach einer Lehre als Kunstschmied an der Akademie für das Graphische Gewerbe in München. Er erhielt 1992 das Stipendium der Prinzregent-Luitpold-Stiftung, München, und das Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 2000–2001 das Atelierförderprogramm für bildende Künstler der Bayerischen Staatsregierung und 2006–2008 das Atelierförderprogramm der Landeshauptstadt München, 2009 den Kunstpreis des Landkreises Fürstenfeldbruck und 2016 den Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf. Stefan Wehmeier, der in der Schwäbischen Kunstszene sehr präsent ist, lebt und arbeitet in Windach OT Hechenwang.

Basilius Kleinhans wurde 1968 in Beckum/Westfalen geboren. Nach einer Ausbildung bei seinem Vater, dem Bildhauer Bernhard Kleinhans in Sendenhorst, legte er 1993 die Meisterprüfung als Metallgießer ab. 1992–1993 studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst Wien und besuchte 1995 einen Meisterkurs bei Willi Weiner in Irsee. Seit 1996 hatte er zahlreiche Einzelausstellungen sowie Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum, zu nennen sind hier die Großplastik in der Stadtsparkasse Günzburg, der Johannesbrunnen in der Gemeinde Dürrlauingen, der Abschiedsraum im Krankenhaus Günzburg, der Brunnen vor dem Modehaus Bruno Kleine in Oldenburg, Grabund Schriftgestaltungen. Basilius Kleinhans lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Günzburg und Sendenhorst.

 

Begleitprogramm

Führungen mit Bärbel Steinfeld M. A.:
Ostermontag, 17. April, 15 Uhr
Sonntag, 30. April, 15 Uhr,
Sonntag, 7. Mai, 11 Uhr

Künstlergespräch mit Basilius Kleinhans und Stefan Wehmeier, Moderation Dr. Mechthild Müller-Hennig:
Sonntag, 23. April, 15 Uhr