KILIAN LIPP

Gratwanderung. Gemälde von Kilian Lipp

26. Juni bis 11. September 2016,
Schwäbische Galerie

Die umfangreiche Einzelausstellung des bekannten Allgäuer Malers Kilian Lipp zeigt Gemälde, die vorwiegend in den letzten beiden Jahren entstanden sind. Kilian Lipp malt vorzugsweise seine eigene Umgebung und greift dabei immer wieder ähnliche Sujets auf: Die Bergwelt um seinen Geburtsort und Lebensmittelpunkt Bad Hindelang bietet ihm seine Motive. Doch das umwerfend schöne Bergpanorama, das der Besucher beim Blick vom Gailenberg aus bewundernd entdeckt, ist nicht das, was wir auf den Bildern des Malers wiederfinden. Kilian Lipp gibt die Berge aus einer ganz anderen Perspektive wieder. Er sieht sie nicht als Kulissen aus der Entfernung, sondern er erspürt das Detail. Er stellt nicht die Idealsicht dar, sondern die eingehüllten Berge. Unspektakuläre Motive hält er fest: den Baumstumpf, das Schneefeld, die Sommerwolke. Bei der Art und Weise dieser Darstellungen handelt es sich stets um eine Gratwanderung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Archaik und Zeitkritik, zwischen Tradition und Innovation, Selbstverständlichkeit und in Frage stellen.

Seine Menschenbilder greifen diesen Aspekt ebenfalls auf eine sehr prägnante Weise auf: Das Gemälde „Tanzender Mann“ zeigt eine ganz ungewöhnliche Pose
beim Schuhplatteln. Mit „Dunkle Zeit“ stellt Kilian Lipp die Kühe dichtgedrängt als Herde dar, die undurchdringlich wirkt. Darin sieht der Künstler eine Parallele zum
Menschen. Auch Artefakte können menschliche Situationen widerspiegeln: So stellt das stark abstrahierte Bild mit dem Titel „Verletzt“ einen Berghang mit Überresten
verfallener Hütten dar.

Der Allgäureisende findet in den Bildern von Kilian Lipp nicht die Idylle wieder, die ihm die Fremdenverkehrsprospekte zeigen, dafür aber ein Stück Authentizität. Diese zwischen eigenem Landschaftserlebnis und Klischee zu bewahren und auszuloten, kommt einer Gratwanderung gleich, die der Allgäuer Kilian Lipp mit
Trittsicherheit beherrscht.

Kilian Lipp
1953 in Vorderhindelang/Allgäu geboren
1972–1973 Seefahrt als Ingenieur-Assistent
1973–1977 Studium Objektdesign an den Fachhochschulen Aachen und Krefeld – Schwerpunkt Malerei und Plastik, Abschluss Diplom-Designer
Seit 1981 im Allgäu als freischaffender Maler tätig
Zahlreiche Einzelausstellungen

1978–1980 Gründungsmitglied des Künstlerbundes Bottrop e. V.
1993–2001 Gründungsmitglied und Mitinitiator – Kunstforum Oberes Allgäu

Auszeichnungen
1988 Kunstpreis der Stadt Kempten
2008 Denkmalpreis des Bezirks Schwaben an Annette und Kilian Lipp für die Sanierung des ehemaligen Bauernhauses in Gailenberg (Atelier und Kunsthaus Lipp)

Gemäldeankäufe durch bedeutende Kunstsammlungen und Museen,
darunter Museen der Stadt Kempten;
Kornhaus Weiler;
Museum des Deutschen Alpenvereins, München;
Sammlung Frieder Burda, Baden-Baden;
Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld
und weitere

Begleitprogramm
Führungen mit Bärbel Steinfeld M. A.:
Matineeführung am Sonntag, 17. Juli, 11 Uhr
Sonntagsführungen am 7. und 28. August, jeweils 15 Uhr

Familienführung mit Oda S. Bauersachs M. A.:
Kunstbegegnung mit kreativem Gestalten
Sonntag, 17. Juli, 15–16.30 Uhr

Künstlergespräch mit Kilian Lipp:
Moderation Dr. Mechthild Müller-Hennig
Sonntag, 31. Juli, 15 Uhr