HIER - JETZT - HEUTE

Hier - jetzt - heute. Vier Kunstschaffende aus Schwaben sehen die Gegenwart

26. Juli bis 18. Oktober 2015,
Schwäbische Galerie

Nach der Ausstellung „Vom Verschwinden und Verlieren“, die 2014 in der Schwäbischen Galerie zu sehen war, setzen sich in diesem Jahr vier Kunstschaffende aus Schwaben mit der Gegenwart auseinander. Sie werfen Schlaglichter auf Motive, die sie persönlich dabei ganz besonders beschäftigen. So kann die Auseinandersetzung mit dem unerschöpflichen Thema Hier – jetzt – heute unsere Großstadtkultur widerspiegeln, den Prozess des Verfalls in den Fokus nehmen, die Überwachung in unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen oder die eigene Umgebung beleuchten. Aus der Flut von Motiven und bewegten Bildern, die unseren Alltag prägen, sind Zäsuren und Ausschnitte gewählt, die zum Innehalten und Reflektieren anregen.


Dorothea Dudek thematisiert mit ihren großformatigen Menschen- und Straßenbildern Situationen des gegenwärtigen Lebens. Mit ihren auf Fotografien basierenden Gemälden geht es der Malerin jedoch nicht einfach um Momentaufnahmen, sondern vielmehr um die Doppelebenen der Wirklichkeit. Die unscharfen Bilder mit ihren Lichtern, Schatten, Spiegeln und Dingen, die unser heutiges Alltagsleben prägen, lassen verschiedene Interpretationen und Identifikationen zu. Und so stellt sie schließlich die Frage, inwiefern unsere Umgebung uns beeinflusst und wo wir dabei jeweils unsere eigenen Grenzen setzen.

Dorothea Dudek wurde 1960 in Lodz geboren. Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule der Bildenden Künste in Lodz. Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie an der Universität Augsburg. 1999 Nominierung zur Cité Internationale des Arts Paris durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. 2009 Mittelschwäbischer Kunstpreis des Landkreises Günzburg (3. Preis). Familie Paul Breitkopf-Preis, Marktoberdorf. Ankäufe u. a. durch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und das Staatliche Hochbauamt Krumbach.

Jo Thoma zeigt Fotografien und Zeichnungen, die sich dem Thema „Mensch und Natur – Vernetzungen“ widmen. Ihre Zeichnungen von Netzstrukturen, Doppellungen und an Rorschachtests erinnernden Mustern entziehen sich einem eindeutigen Deutungsversuch. Die Auseinandersetzung mit der Rückkehr der Wildnis in den urbanen Raum steht bei ihrer Fotoserie im Mittelpunkt: Die Künstlerin will die Sehnsucht des Menschen nach der Natur als intakte Welt im Spiegel des 21. Jahrhunderts wiedergeben. So wird beispielsweise für sie der stark überwucherte ehemalige Hauptbahnhof in Detroit zum Sinnbild der tragischen Situation der Stadt.

Jo Thoma wurde 1971 in Augsburg geboren. Studium der Amerikanistik, Politik und Philosophie an der Universität Augsburg, dort seit 2010 Lehrtätigkeit. 2013 Promotion. Seit 2003 freischaffende Künstlerin. Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. 2005 Schwäbischer Kunstpreis der Kreissparkasse Augsburg, Förderpreis junge Kunst. 2008 Kunstpreis der Stadt Donauwörth. 2010 Kunstpreis der Stadt Bad Wörishofen. 2012 Mittelschwäbischer Kunstpreis des Landkreises Günzburg. Ankäufe u. a. durch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

Mit seinen unscharfen Motiven aus Vorspannsequenzen von Krimiserien bezieht der Konzeptkünstler Christian Hof eine mediale Position zum Thema „jetzt“. Die beklemmenden und unheimlichen Bilder aus der Werkgruppe „Mordmotive“ gaukeln dem Betrachter eine fiktive Wirklichkeit vor, die so nicht existiert. Die erstmals komplett gezeigte Serie aus 91 Bildern inszeniert chronologisch eine Ikonografie des gewaltsamen Todes. Als matter Direktdruck auf Alu-Dibond wirken die Motive dabei wie Standbilder von Überwachungskameras. Es stellt sich intuitiv die Frage, welchem Bild wir noch trauen können.

Christian Hof wurde 1970 in Kempten geboren. Studium der Mathematik an der Universität Augsburg. Seit 2007 Engagements als Bassist am Staatstheater Stuttgart. 2009 Kunstpreis der Stadt Bad Wörishofen, 2010 Magnus-Remy-Preis der Schwabenakademie Irsee. 2011 Gründung der Künstlersozietät „mennel rummert bader hof“. 2012 Kunstpreis der Hollfelder Kunstausstellung und Publikumspreis der Bayreuther Kunstausstellung. Publikation zur Ausstellung „Raumzeit“. Ankäufe durch die Baugenossenschaft Kempten, Sozialbau, ZAK und die Stadt Kempten.

Die neuen Arbeiten des Bildhauers und Konzeptkünstlers Christian Hörl thematisieren das „Hier“ auf vielschichtige Weise: Zwei Arbeitsphasen, die gleichzeitig zwei unterschiedlichen Realitätsebenen entsprechen, bilden eine Symbiose. Die Grundlage besteht aus ornamentalen Strukturen, vom Künstler entworfen und gemalt. Durch ein Druckverfahren werden fotografische Elemente mit Motiven aus der Natur oder der Architektur aus der unmittelbaren Umgebung darüber gelegt. Diese längst bekannten banalen Ausschnitte werden durch die Kombination mit der Malerei neu entdeckt. Dabei wird deutlich, wie sehr sich das Persönliche mit dem Allgemeinen verbindet.

Christian Hörl wurde 1961 in Augsburg geboren. Studium an der Akademie der Bildenden Künste München. 1992 Preis der Internationalen Bodensee Kulturkonferenz. 1998 Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. 1999 Kunstpreis der Stadt Kempten. 2007 Kollegenpreis BBK Schwaben-Süd. 2010 Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf. 2013 Magnus- Remy-Preis der Schwabenakademie Irsee. Arbeiten im öffentlichen Raum in Augsburg: Pankratiusschule, Strafjustizgebäude, Industrie- und Handelskammer, Landesversicherungsanstalt. Interaktive Projekte: Kempten, neues Gefängnis „von drinnen und draussen“, zusammen mit Waltraud Funk und Gerhart Kindermann forderte Christian Hörl Menschen zum kreativen Gestalten auf.

 

Begleitprogramm

Sonntagsführungen mit Bärbel Steinfeld M.A.:
9. August, 30. August, 13. September, jeweils 15 Uhr

Familienführung mit Oda S. Bauersachs M.A. - Kunstbegegnung mit kreativem Gestalten:
Sonntag, 20. September, 15–16.30 Uhr

Künstlerführung durch Christian Hof und Christian Hörl:
Sonntag, 4. Oktober, 15 Uhr

Künstlergespräch mit Dorothea Dudek und Jo Thoma, Moderation Dr. Mechthild Müller-Hennig:
Sonntag, 18. Oktober, 15 Uhr